Das Amazon Kindle Fire HD 7 · Kleines Tablet für kleines Geld, aber…

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Seit gestern ist das Amazon Kindle Fire HD 7 offiziell in Deutschland erhältlich und sollte bei den meisten Vorbestellern schon angekommen sein. Auch bei mir kam gestern ein schwarzes Paket von Amazon an – wurde direkt mal mit der Originalverpackung verschickt. Muss nicht sein, aber gut. Ich habe mir das Tablet mal ein wenig angeschaut und bin doch zu einem recht schnellen Fazit gelangt…

Die Äußere Erscheinung

Sofort einmal ausgepackt und … nichts neues: Plastikbomber. Die gesamte Rückseite besteht aus einem sachte gummierten Plastikcover, welches von einem schwarzem Balken geteilt wird – wo sich übrigens auch die Lautsprecher befinden.

Von der Größe her sehr angenehm, lässt sich – wie auch das Nexus 7 – wunderbar in einer Hand halten. 193 x 137 x 10,3 mm hat das Kindle Fire HD 7 hier zu verbuchen, ebenso stehen 395 Gramm auf der Waage. Ist aber wie gesagt alles angenehm und fühlt sich zwar nach Plastik an, aber keinesfalls so billig.

Was finden wir sonst noch so am Kindle? Am Rand finden wir den Powerbutton und die Lautsprechertasten, darüber den Kopfhöreranschluss. Unten finden wir einen microUSB und einen Mini-HDMI-Ausgang. Die Buttons hätten meiner Meinung nach etwas anders gelöst werden können – finde ich nicht sehr angenehm zu benutzen.

Das Display

Das IPS-Display hat eine Größe von rund 7 Zoll und bietet eine Auflösung von 1280 x 800 Pixel, die Pixeldichte beträgt 216 ppi. Soweit die technischen Werte, sind natürlich objektiv. Aber auch subjektiv lässt sich dem Display nicht viel negatives nachsagen: Ist eben wirklich sauscharf und hell – wer hier Pixel finden sollte, der sucht vermutlich mit einer Lupe. Unter normalen Gegebenheiten kann ich hier keine Nachteile gegenüber meinem iPhone 5 mit dem Retina-Display feststellen. Bei voller Helligkeit lässt sich sogar unter freien Himmel gut arbeiten – wie es bei direkter, praller Sonne aussieht kann ich bei dem Wetter leider nicht testen.

Lautsprecher

Die Lautsprecher des Kindle Fire HD 7 sind ohne wenn und aber brauchbar. Wohlgemerkt: brauchbar. Surround-Sound. Logisch, dass die kleinen rückseitig angebrachten Lautsprecher keine Klangwunder leisten, aber die Bässe sind ordentlich, Gesang ist klar. Definitiv die besten Lautsprecher in einem Tablet – der iPad-Sound klingt gegen die irgendwie fad.

Die Kamera

Das Fire HD besitzt nur eine Frontkamera, welche mittig im Portrait angebracht ist. Kameraapps sucht man vergeblich – auch im (deutschen) Amazon App-Shop konnte ich keine finden. Bleibt also nur die Möglichkeit via App von Facebook und Co. Aber: Die Kamera bietet eben nur 1,2 Megapixel – beschränkte Auflösung eben. Frontkamera, mittag, soll also auch nur für Videochat drin sein.

Die Inneren Werte

Im Inneren des Kindle HD 7 werkelt ein OMAP Dual-Core mit 1,2 GHz von Texas Instruments, welcher von einem Gigabyte RAM unterstützt wird. Ich werde hier keine großartigen Benchmarkwerte auffahren, denn ich habe das Glück, hier subjektiv schreiben zu können. Und hier muss ich sagen: Es könnte schneller sein. Das System läuft zwar, man spürt aber an allen Ecken und Kanten, dass es ein wenig hakt. Merkt man schon am Sperrbildschirm, wo die Reaktion etwas verzögert ist. Auch im Shop merkt man immer wieder leichte Ruckler und Hakler. So flüssig wie iOS oder Android ist das Amazon OS (das auf Android aufsetzt) definitiv nicht – kennt man anderes, macht das Kindle Fire HD 7 einfach keinen richtigen Spaß.

Anschlüsse und Konnektivität

Die Anschlüsse sind recht überschaubar: Kopfhöreranschluss seitlich, unten Mini-HDMI-Out und die typische microUSB-Buchse. Mehr gibt es nicht – sollte für die meisten aber auch ausreichen. Ebenfalls mit an Board: Bluetooth – gibt glaube ich auch kein aktuelles Gerät, welches darauf verzichtet…

WiFi-mäßig ist das Fire HD 7 mit zwei WLAN-Antennen ausgestattet, die laut Amazon für das schnellste WLAN bei einem Tablet sorgen sollen. Das Fire HD ist schnell unterwegs – aber ob es das schnellste WLAN ist? Kann ich nicht bestätigen, aber auch nicht erwidern. Schnell ja, schneller als zum Beispiel das iPad? Liegt natürlich auch immer am Server und das Gedöns. Gefühlt ist aber der Prozessor ein kleiner Flaschenhals. Übrigens: Die Antennen funken im 2,4 und im 5 GHz Bereich.

Das Kindle Fire OS

Kommen wir zu dem wohl wichtigstem Punkt: Dem System. Amazon nutzt sein eigenes System, welches eigentlich nichts anderes als eine abgewandelte, extrem angepasste Form von Android ist. Aber von besagtem Google-System ist rein gar nichts zu sehen – nichts, nada. Nirgendswo.

Stattdessen bekommen wir einen schwarzen Homescreen zu Gesicht, der sämtliche Punkte anbietet: Einkaufen, Spiele, Apps, Bücher, Musik, Videos, Web, Fotos, Dokumente  und eure speziellen Angebote. Darunter gibt es dann im CoverFlow-Style eure zuletzt benutzen Dinge.

Google Play Store? Fehlanzeige. Keine Apps aus dem Play-Store, lediglich den Amazon App-Shop gibt es auf dem Kindle. Damit fehlen eine Reihe an Apps, die für Android-Geräte eigentlich Standard sind. Im Gegenzug gibt es aber auch fast alle bekannten Apps und Games wie Angry Birds, Facebook, eBay und Co.

Ich könnte hier noch so viel über das Kindle Fire OS schreiben, aber eines ist sicher: Das System ist absolut easy – selbst im Vergleich zu iOS. Alles selbsterklärend, gibt ja auch nicht viel Auswahl. Ihr klickt auf Apps und bekommt eure Apps angezeigt – und einen Link zum App-Shop. Ihr klickt auf Bücher und bekommt eure Bücher angezeigt – und einen Link zum Shop. Ihr klickt auf Musik und … ihr könnt es euch denken.

Also mal ehrlich: Mir macht das Kindle Fire OS keinen Spaß. Irgendwie wirkt alles wie eine App – oftmals habe ich mir gedacht “lass mich aus der App raus”. Wer sich bei iOS schon bevormundet fühlt und kritisiert, das geschlossene System ist zu geschlossen, der wird beim Kindle Fire OS wohl Klaustrophobie bekommen. Es wirkt alles nicht wie ein Tablet-OS, sondern wie ein großes Schaufenster.

Die personalisierte Werbung und Angebote, die man zum Beispiel auf dem Sperrbildschirm angezeigt bekommt, kann man für rund 15€ entfernen lassen, ist ja kein Ding. Aber auch ohne das bekommt man an jeder Ecke Angebote und Shoppingkram zu Gesicht. Apps. Bücher. Musik. Filme. Amazon verdient eben nicht mit der Hardware, sondern mit dem Content, von dem sie zugegeben auch in Deutschland einiges haben. Aber wie gesagt: Es vergeht fast nicht ein Klick, ohne irgendetwas zu Gesicht zu bekommen, was man kaufen könnte. 15€ hin oder her – die Werbung nehm ich dann auch noch in Kauf, macht den Braten nicht fett.

Das Kindle Fire HD 7: Ein Reinfall?

Also ist das Fire HD 7 ein Reinfall? Nein, das ist es ganz sicher nicht. Es kommt eben drauf an, was ihr damit machen wollt. Und wer. Das System an sich ist absolut simpel gehalten – man sieht auf einen Blick, was man machen kann. Ich will lesen – also klicke ich auf “Bücher”. Ich will Musik hören – also klicke ich auf “Musik”. Absolut DAU tauglich – und definitiv etwas für die Generation 60+.

Aber: Man muss Amazon lieb haben um das Kindle Fire genießen zu können. Ansonsten wird es schwer an Content zu kommen – und produktives Arbeiten? Könnt ihr mit dem Tablet vergessen, das Kindle Fire ist ein reines Konsumgerät. Auch wenn ich mich wiederhole: Musik. Bücher. Filme. Das ganze Amazonangebot eben.

Aus dem Grunde muss man eben unterscheiden zwischen Konsumenten und Geeks. Eure Eltern wollen ein Tablet um hier und da mal E-Mails abzurufen, im Web zu surfen oder sonst etwas zu machen und sind Amazon und digitalen Medien nicht abgeneigt? Dann legt ihnen das Kindle Fire ans Herz. Ihr mögt Amazon nicht? Ihr mögt digitale Medien nicht? Ihr mögt kein geschlossenes System? Ihr wollt (etwas) produktiv mit dem Tablet arbeiten? Dann ist das Kinde Fire nichts für euch, sorry.

Trotzdem wette ich mit euch: Die neuen Kindle-Modelle werden einschlagen. Trotz mäßiger Hardware und einem System, welches mir keinen Spaß bereitet. Die Gründe habe ich im Text schon Mehrfach genannt: Die potentiellen Käufer, die Zielgruppe, interessiert sich nicht für Top aktuelle Hardware. Und auch nicht dafür, ob sie nun Rootzugriff hat oder nicht. Die Zielgruppe auf die Amazon abschießt sind keine Super-User und Experten. Sondern Konsumenten, die Produkte und virtuelle Güter bei Amazon kaufen (wollen). Die Maße möchte eben mit einem Tablet Genießen – und hier hat Amazon meiner Meinung nach (noch) das breiteste Spektrum im Angebot, inklusive der größten Bekanntheit.

Geschrieben von

Marcelismus. Hobby-Blogger aus dem Rheinland in den besten 20er Jahren. Appletisiert, aber immer mit einem gesunden Blick über den googlefizierten Tellerrand. Fetischist schicker User Interfaces und Fan von Dingen, die oftmals keinen Nutzen haben, die aber blau leuchten können.