Beiträge

Musik-Streaming-Dienste im kurzen Vergleich

rp_music-cloud.jpg

Es gibt massig Musik-Streaming-Dienste im In­ternet – in Fach­kreisen auch Audio-on-Demand ge­nannt. Wäh­rend der US-Markt na­hezu alle Mög­lich­keiten bietet, sieht es in Deutsch­land der­zeit noch etwas dunkel aus. Aber so langsam kommt es ja dann doch in Fahrt.

Napster

Ich glaube Napster ist einer der be­kann­testen Dienste – 1998 als erstes P2P-Netzwerk ge­startet, hat es eine re­gel­rechte Welle los­ge­treten, ist Napster in­zwi­schen ein sim­pler Dienst, der so­wohl Streaming-, als auch Kauf­dienste anbietet.

Napster bietet nach ei­genen An­gaben 15 Mil­lionen Songs an – kann hin­kommen, die Aus­wahl ist schon recht groß. Je­doch sind nicht alle Songs für das Strea­ming ver­fügbar, son­dern stehen nur zum Kauf. Die Webober­fläche wirkt wie Napster Anno 1998: Häß­lich, hakt, hinkt. Eine Mac OS X App fehlt, die iOS-App ist auch kein Mei­len­stein in Sa­chen Usu­a­bi­lity. In Zeiten von Spo­tify, Rdio und Co. lebt Napster wahr­schein­lich nur noch durch seinen Namen…

  • Große Songaus­wahl
  • Songs können ge­kauft werden
  • Alt­ba­ckene, schlechte Weboberfläche
  • Keine Free-Accounts
  • Keine An­wen­dung für OS X

iTunes Match/iTunes in der Cloud

iTunes Match ist ir­gendwo ein Strea­ming­dienst, ir­gendwo auch nicht. Per iTunes wird eure kom­plette Me­dia­thek ge­scannt – werden die Songs im iTunes Store ge­funden, gut, wenn nicht, werden eure Songs hoch­ge­laden. So­weit die Kurz­form. Kos­ten­punkt: gut 25€ im Jahr.

Aus der iCloud heraus könnt ihr eure Songs dann immer und immer wieder von überall aus her­un­ter­laden und an­hören – je­doch nur auf Apple-Geräten wohl­ge­merkt. Und falls ihr einen neuen Songs sucht, müsst ihr diesen Kaufen, ein On-Demand-Dienst ist iTunes Match nicht.

  • Ei­gene Songs sind in der Cloud verfügbar
  • Günstig
  • Simpel und ef­fektiv, per­fekte Ein­glie­de­rung in iTunes und iOS
  • Kein On-Demand-Dienst
  • Nur Apple-Geräte (mit iOS und Mac OS X)

Simfy

Simfy – mit seinen der­zeit 16 Mil­lionen Songs – ist mir per­sön­lich in Deutsch­land am längsten be­kannt, und den­noch hat der Dienst in den letzten Mo­naten gegen Rdio und vor allem Spo­tify ver­loren. Wäh­rend es zu Be­ginn für Free-User kei­nerlei Ein­schitte in die Mu­sik­dauer gab, wurde erst auf 20 Stunden im Monat re­du­ziert, dann auf 5 Stunden pro Monat. Für mich per­sön­lich immer noch aus­rei­chend, auch wenn es mit einer Party knapp werden könnte.

Für 4,99€ im Monat kann man diese 5-Stunden-Sperre auf­heben, dann al­ler­dings nur per Web, Win­dows oder OS X. Für 9,99€ im Monat gibt es dann auch iOS, An­droid und Black­Berry in­klu­sive Offline-Modus hinzu. Wobei ich per­sön­lich weder von der OS-X-, noch von der iOS-App richtig über­zeugt war.

  • Große Songaus­wahl
  • Free-Accounts mög­lich (5 Stunden Musik hören pro Monat)
  • Apps für Win­dows, iOS, An­droid, Black­Berry und OS X
  • Im Windows- und OS-X-Player können auch lo­kale Songs ab­ge­spielt werden
  • Webober­fläche und Apps über­zeugten mich nicht

Rdio

Rdio habe ich ja schon einmal ge­nauer vor­ge­stellt. Rund 12 Mil­lionen Titel findet ihr dort vor, und auch sonst bietet Rdio alles, was man braucht. Im Ge­gen­satz zu vielen an­deren Diensten hat Rdio viele Merk­male eines so­zialen Netz­werks und bindet auch Twitter, Face­book und Co. fest ein.

Die An­wen­dungen und Webober­fläche sehen schick aus und sind in­tuitiv zu be­dienen – ein wich­tiges Kri­te­rium in der heu­tigen Zeit, in der sich vieles an­gleicht. Wie auch bei Napster gibt es hier je­doch keinen kos­ten­losen Free-Account, son­dern ihr müsst euch für einen von beiden ent­scheiden. Wäh­rend der güns­ti­gere Ac­count gute 5€ im Monat kostet, kostet der „Unbegrenzt“-Status euch knapp 10€ im Monat – dafür gibt es neben Web-, Windows- und OS-X-App aber auch Zu­griff und Sync mit eurem Smartphone.

  • Große Songaus­wahl
  • Hüb­sche Webober­fläche und gute Apps
  • Apps für alle gän­gigen Sys­teme (Win­dows, Mac OS X, WP7, iOS, An­droid, Black­Berry, sowie für Roku- und Sonos-Systeme)
  • Hoher „Social“-Faktor
  • Ab­gleich mit der iTunes Me­dia­thek und Playlisten
  • Kein Free-Account möglich

Groo­ve­shark

Groo­ve­shark ist ir­gendwie das schwarze Schaf unter dem Strea­ming­diensten. Die Songaus­wahl ist riesen groß, was es nicht gibt, kann hoch­ge­laden werden und steht damit je­der­mann zur Ver­fü­gung. Laut deut­schem Ur­he­ber­recht ist das hoch­laden ge­schützter Werke zwar il­legal, aber den­noch hat es wohl kaum einen ge­stört; ir­gendwer lädt schon etwas hoch. Eben­falls in einer Grau­zone steht die Nut­zung von Groo­ve­shark. Ist Strea­ming nun eine Ver­viel­fäl­ti­gung oder nicht? Die Frage stellt sich der­zeit ja auch im Zu­sam­men­hang mit Kino.to.

Nichts desto trotz: Das dürfte sich für die meisten User seit Ja­nuar 2012 er­le­digt haben – denn seitdem hat Groo­ve­Shark den Zu­griff aus deut­schen Landen ge­sperrt und ge­blockt. Wer eine Lö­sung sucht: Mit­tels der Firefox- und Chrome-Erweiterung SciLors Groo­ve­shark Un­lo­cker ist der Zu­griff wieder mög­lich – mit­tels Proxy. Die Apps sind je­doch nur in den Premium-Paketen mög­lich – für 6€ gibt es die Apps, für 9€ die Apps samt Wer­be­frei­heit. Die App für iOS be­nö­tigt einen Jail­break, je­doch gibt es eine sehr gute HTML5-App.

  • Größte Songaus­wahl
  • Schicke Ober­fläche
  • HTML5-App
  • Apps für iOS (Jail­break), An­droid, Mac OS X, Win­dows, Sym­bian, Boxee, Black­Berry, WebOS
  • Bietet auch Radio(-Stationen) an
  • Recht­li­cher Status in Deutsch­land nicht ein­deutig geklärt
  • Zu­griff für deut­sche User blockiert

De­ezer

Für eine Re­gis­trie­rung bei De­ezer ist ein Facebook-Account zwin­gend not­wendig, da sich nur durch eine Ver­bin­dung an­ge­meldet werden kann. Wem das nicht ab­schreckt, der findet eine sehr hüb­sche Ober­fläche vor, die sich ein­fach zu be­dienen lässt und mir per­sön­lich am meisten Spaß macht.

Für 4,99€ im Monat gibt es das Premium-Paket, wel­ches, trotz des Na­mens, das Ba­sis­paket dar­stellt. Das Pre­mium+ Paket gibt es für 9,99€ im Monat, dafür gibt es neben den gut funk­tio­nie­renden Smartphone-Apps auch die Mög­lich­keit, Songs off­line zu hören.

  • 30 Tage kos­tenlos testen
  • Große Songaus­wahl
  • Radio
  • Schicke und ein­fache Webapp-Oberfläche
  • Sehr gute App für iOS
  • Apps für iOS, An­droid, Win­dows Phone 7, Black­Berry, mas­sen­haft Feature-Phones von Samsung und Sony Ericsson, Lo­gi­tech Squee­zebox, Sonos
  • Offline-Modus für mo­bile Apps
  • Re­gis­trie­rung nur mit Facebook-Account
  • Keine App für Win­dows & Mac OS X

Spo­tify

Spo­tify ist der­zeit in Deutsch­land noch nicht ver­fügbar – ir­gend­wann diesen Monat soll es aber wohl noch so­weit sein. Heißt also: Bisher lässt sich Spo­tify nur mit­tels kleinem Trick nutzen.

Leider sind trotzdem nicht alle Mög­lich­keiten vor­handen – so sind zum Bei­spiel manche Funk­tionen und auch die Apps nicht mög­lich. Daher lasse ich Spo­tify mal außen vor und werde be­richten, so­bald Spo­tify of­fi­ziell in Deutsch­land ge­startet ist. Auch wenn der Ein­druck bisher Spo­tify zur klaren Num­mero Uno macht.

Mein Fa­vorit? Meine Wünsche?

Meine Topliste in Sa­chen Streaming-Dienste? (Spo­tify.) Deezer/Rdio, Groo­ve­shark, Simfy, Napster. iTunes Match lasse ich mal außen vor – es ist ja kein rich­tiger Strea­ming­dienst. Bald soll es auch so­weit sein, dass Spo­tify in Deutsch­land of­fi­ziell startet, dann können Rdio und Simfy einpacken.

Was ich mir wün­schen würde, wäre eine Kom­bi­na­tion aus Spo­tify und iTunes Match: Ei­gene Songs hoch­laden, so­fern sie nicht auf der Platt­form ver­fügbar sind. Somit könnte man seine ei­genen Songs immer und überall hören, plus zu­sätz­liche Songs aus dem Portal. Denn ir­gend­welche Songs fehlen immer – und ge­rade bei mir fehlt eine Menge. Ins­ge­samt kann man sagen, dass der „Main­stream“ und die ty­pi­schen Charts überall ver­fügbar sind. Deut­scher Rock zum Bei­spiel sucht man ver­ge­bens – auch die ganz großen On­kelz, Hosen, Ärzte, Ramm­stein … al­le­samt sind nir­gends wo zu finden. Von un­be­kann­teren Bands mal ganz zu schweigen.

Klaro, man kann es auch kom­bi­nieren; aber auf iTunes Match kann keine App zu­greifen und eine ein­zige App wäre mir lieber, als zwei ver­schie­dene Appa. Mal schauen, wie sich das Ganze noch so entwickelt…

Geschrieben von

Marcelismus. Hobby-Blogger aus dem Rheinland in den besten 20er Jahren. Appletisiert, aber immer mit einem gesunden Blick über den googlefizierten Tellerrand. Fetischist schicker User Interfaces und Fan von Dingen, die oftmals keinen Nutzen haben, die aber blau leuchten können.

WebMusikStreamingMusik-StreamingSpotifyrdio

0 Kommentare