Netgear NeoTV 550: Durchdachter & (fast) perfekter Media Player

Netgear NeoTV 550: Durchdachter & (fast) perfekter Media Player

In der Vergangenheit habe ich bereits den Trekstor TV aka Xtreamer Sidewinder und den Western Digital TV Live HD getestet. Kurze Zusammenfassung: Beide haben starke Schwächen, doch mich persönlich hat der Trekstor TV mehr überzeugt. Doch ich bin dann auf den Netgear NeoTV 550 umgestiegen, welcher sich preislich ebenfalls in diesem Rahmen befindet. Und ich muss sagen: Das Dingen hat mich das erste mal so richtig überzeugt. Ich glaube, besser kann man es nicht machen, sofern man sich nicht eines HTPCs bedient.

Wie auch bei den anderen beiden Streamern werde ich nicht weiter auf die technischen Details eingehen. Ist in meinen Augen halt völlig unspannend, doch wer mag: Hier gibt es eine nette Übersicht. Nur soviel: Im Gegensatz zu den meisten Streamern verwendet der NeoTV 550 keinen Realtek-Chip, sondern einen Chip von Sigma, wodurch er wesentlich stärker wird. Angeblich sollen sogar BluRay-Laufwerke angeschlossen werden können, ich habe es allerdings nicht testen können. Aber zurück zu meinen getesteten Dingen. Der NeoTV ist zwar etwas größer als die anderen beiden, sieht aber trotzdem sehr nett aus:

Leider hat auch der NeoTV nur einen Ethernetanschluss. Also wieder kein Gigabit-LAN. Wäre zwar toll gewesen, hat jedoch zu keinerlei spürbaren Nachteilen in meinem Test geführt. Mit im Lieferumfang ist ein kleiner Ständer, mit dem man den Streamer aufrecht positiionieren kann. Oder man hängt das Dingen einfach an die Wand – ist ebenfalls möglich.

Die Fernbedienung besitzt alle notwendigen Tasten, welche einen sehr guten und angenehmen Druckpunkt besitzen. Lediglich die Klavierlackoberfläche hätte sicherlich durch eine matte Oberfläche ersetzt werden können, aber das ist heutzutage ja oftmals der Fall:

Wie ich in den letzten Tests schonmal gesagt habe: Die ganzen Streamer sind technisch alle fast identisch. Für mich kommt es eher auf die Oberfläche an; denn alle getesteten Geräte spielten ohne wenn und aber jedes getestete Format ab: Von DivX und Xvid, über AVI, bis hin zu WMV und Co. Hier hat kein Gerät versagt. Und genau bei der Oberfläche hat Netgear fast alles richtig gemacht. Sie schaut sehr schick aus und reagiert ohne irgendwelche Verzögerungen auf Befehle der Fernbedienung. Natürlich bietet auch der NeoTV 550 ein Hauptmenü: ;)

Bevor ich nun zu meinem primären Test komme, erst einmal kurz ein paar Dinge, die der Streamer sonst noch so beherrscht: YouTube, Flickr, RSS, Radio – das sind neben Video, Musik und Fotos die weiteren Funktionen. Dabei bietet die YouTube-”App” quasi die gleichen Funktionen wie die Webseite, sogar mit Account-Login. Die Radiokanäle sind mehr als vielfältig – sogar lokale Sender (wie in meinem Falle Eins.Live und Welle Niederrhein) sind dabei. Gibt von mir ein dickes, dickes “Like”. ;)

Dies aber nur mal so ganz nebenbei. Seit dem letzten Update funktioniert YouTube auch einwandfrei – sehr chillig, sich auf der Couch auf einem großen Gerät durch YouTube zu “zappen”. :D Funktioniert besser, als die Sache auf dem WD TV Live HD und dem Xtreamer Sidewinder. Kommen wir nun aber zu dem wichtigen, also zu dem was ein Streamer können sollte: Daten von einem Netzwerkspeicher abspielen. Daten von externen/internen Datenträgern sind uninteressant, die funktionieren sowieso überall. Doch für mich ist es wichtig, dass das Gerät die volle Funktionalität im Netzwerk besitzt – und das war beim TV Live HD ja nicht der Fall. Zuerst einmal müssen die Speicherorte natürlich bekannt sein. Lässt sich im NeoTV 550 entweder automatisch bewerkstelligen, oder ihr macht das Ganze per Hand. Für den Streamer uninteressante Speicherorte können ganz einfach ausgeblendet werden:

Funktioniert einwandfrei und schnell. Das einzige, was eventuell anfällt, ist die Eingabe von eventuellen Benutzerdaten für den Netzwerkzugriff – siehe Bild. Ansonsten müsst ihr fast nichts machen. Pro Speicherort kann man übrigens auch auswählen, wonach der NeoTV suchen soll (Nur Videos, nur Musik …). Das Gerät sucht dann automatisch nach Mediendateien. Nett.

Ich habe meinen Test einmal auf die Videos beschränkt. Musik und Fotos habe ich nur kurz angetestet, aber Musik wird über das MacBook abgespielt, ebenso Fotos. Da ist meine NAS-Technik noch nicht soo weit eingerichtet. ;) Aber ich kann soviel sagen: Musik und Fotos funktionieren ebenfalls – und zwar fast nach dem identischen Schema. Bleiben wir also bei den Videos und wählen besagten Menüpunkt im Hauptmenü aus:

Wie man sieht kann man hier schon eine Vorauswahl treffen, welche Daten man angezeigt bekommen möchte. Gerade für Serien z.B. ist “Zuletzt angesehen” sehr nützlich – zumal ihr auch in der Übersicht sehen könnt, ob ihr eine Datei bereits einmal angesehen habt (sogar zwischen fertig – unfertig wird unterschieden). Da ich aber nicht alle Dinge gescannt hatte, wählen wir einmal “Ordner durchsuchen” aus. War mein mein persönlicher Favorit – denn da die Software zwischen Filme und Serien keinen Unterschied macht, sucht man sich zu Tode, sobald man mehrere, einzelne Episoden hat. ;)

Dabei bekommt man alle Datenspeicherorte nochmals angezeigt. Schon in der Auswahl des Speicherortes hat man drei verschiedene Möglichkeiten, sich die einzelnen Punkte anzeigen zu lassen – sofern sich eine folder.jpg in dem Ordner befindet, wird diese ebenfalls angezeigt. Mal eine Übersicht der drei Anzeigemodis Liste – Coverflow – Coverliste:

Wie ich eingangs schon erwähnt habe: Der NeoTV 550 ist in der Lage DVD- und BluRay-Menüs abzuspielen. Ich habe es mal anhand eines DVD-Images getestet: Funktioniert einwandfrei. Der WD TV Live HD hat ja gar keine Menüs untersützt, der Xtreamer nur ziemlich lieblos. Hier klappts aber:

Das OSD ist hingegen mehr als aufgeräumt: Lediglich die Zeitleiste findet man standardmäßig vor – alles andere (Audio, Untertitel, etc. pp.) wird über die jeweilige Taste auf der Fernbedienung aufgerufen. Für mich absolut okay, andere werden sicherlich eine komplette Übersicht haben wollen:

Und, weil ich das als eines der negativ Punkte beim WD TV Live HD kritisiert habe: Man kann zum einen sehr gut einen schnellen Durchlauf machen, oder aber eine bestimmte Zeitangabe eintippen:

Finde ich persönlich sehr nett. Will man zwischendurch mal ein paar RSS-Feeds lesen oder aber irgendeine Einstellung ändern oder eine andere Datei auswählen, so läuft der bisherige Film in einem kleinen Fenster weiter:

Nichts weltbewegendes. ;) So, das war eigentlich auch schon fast, doch halt: Es gibt noch ein kleines Feature, auf das ich nur sehr kurz eingehen möchte. Denn Netgear liefert eine CD für Windows und Mac OS X mit, auf der sich ein paar Zusatzfunktionen befinden: Zum einen lässt sich euer NeoTV damit von eurem Rechner aus fernsteuern (nichts besonderes), oder aber ihr könnt eure Mediadaten taggen. Dazu gibt es das TagTool, welches zwar läuft, aber doch sehr spartanisch ist:

Das TagTool kann auch nach Filmdaten suchen – leider nur über IMDB oder über Amazon UK/US. Funktioniert zwar, Fans von XBMC zum Beispiel können darüber sicherlich nur schmunzeln. Eine anständige Datenbank samt Filminfos und Co. lässt sich damit sicherlich nicht auf die Beine stellen. Mehr schlecht als recht; aber gut: Die anderen beiden Streamer boten diese Funktion gar nicht, und ich finde es eher unspannend. Wobei es schon toll gewesen wäre, Netgear hätte hier etwas mehr auf die Kacke gehauen. ;) Ach, übrigens: Die Daten lassen sich dann natürlich auch auf dem TV anschauen. Filmdatei auswählen und “Info” drücken:

So, das war es auch schon… Ach, nee, moment. ;) Denn der NeoTV 550 bietet ein Feature, was ich absolut zu schätzen gelernt habe. Sehr geniales Feature, welches bisher kein Streamer vorweisen kann. Nennt sich ganz simpel “Folgen”. Okay, stellt euch mal vor, ihr habt mehrere TV-Geräte und Streamer. Nun schaut ihr in Raum X einen Film und wollt den Raum wechseln (von der Couch ins Bett zum Beispiel). Also Film aus in Raum X, Film an in Raum Y und die Stelle suchen. Dies erledigt der NeoTV automatisch:

Ihr könnt übrigens auch Nachrichten an andere NeoTVs schicken, dass lasse ich aber mal. ;) Ein Klick auf “Folgen” und ihr bekommt alle NeoTVs aufgelistet, die sich im gleichen Netzwerk befinden:

Nun habt ihr die Möglichkeit, entweder einen “Partymodus” zu starten, heißt: es werden alle gefundenen Geräte angepeilt. Oder aber ihr schaltet quasi auf einen anderen, bestimmten Streamer um. Danach bekommt ihr noch die Möglichkeit, ob ihr die Wiedergabe an dem Gerät stoppen wollt. Kleiner Tipp: HD-Daten über ein Netzwerk mit mehreren Geräten gleichzeitig – das geht in die Hose. ;) Bei SD-Aufnahmen und vor allem Musik klappt es aber. :)

So, kommen wir zu meinem Fazit: Der Netgear NeoTV 550 ist für mich DER Netzwerkplayer. Klar, an eine XBMC-Lösung kommt er sicherlich nicht heran. Man darf aber auch nicht vergessen, dass für gefühlte 90% so eine HTPC-Lösung “overdressed” ist. Zumal es natürlich auch preislich eine Rolle spielt. Also bleiben wir einmal bei den Birnen (Mediaplayer) und da hat der NeoTV 550 einfach die Nase mehr als klar vorn. Er spielt wirklich alles ab, bietet eine nette Oberfläche, ist schnell und hat etliche Features. Auch die Darstellung der Mediadaten und den Zugriff finde ich absolut gelungen. Mal ganz davon abgesehen, dass die “Folgen”-Funktion natürlich absolut Klasse ist. =) Für mich eine absolute Kaufempfehlung des Dingen.

Übrigens: Den Netgear NeoTV 550 gibt es für etwa 150€ bei Amazon. Alle Bilder – plus ein paar weiterre – gibt es in meinem Fotostream auf Flickr.

Geschrieben von

Marcelismus. Hobby-Blogger aus dem Rheinland in den besten 20er Jahren. Appletisiert, aber immer mit einem gesunden Blick über den googlefizierten Tellerrand. Fetischist schicker User Interfaces und Fan von Dingen, die oftmals keinen Nutzen haben, die aber blau leuchten können.

  • pimpifax

    Vielen Dank für den ausführlichen Test. Das Netgear NeoTV 550 ist mein absoluter Nr. 1 Kandidat. ;-) Bleibt für mich nur noch eine Frage offen: Ist W-Lan (per Stick) möglich??

  • Marcel

    Per Stick zumindest offiziell nicht. Aber z.B. mit dem WLAN-”Adapter” von Netgear klappt es einwandfrei:

    http://goo.gl/myoeo

    Man hat zwar ein weiteres Gerät im WLAN, aber dafür vorrichtet es seine Arbeit super (Testbereicht dazu folgt im übrigen die Tage). Und ist auch nicht teurer, als ein anständiger WLAN-Stick.