WesternDigital TV Live im Test: Gleicher Name, neues Modell.

WD TV Live

Vor mehr als einem Jahr habe ich einmal einen kleinen Test des Western Digital TV Live HD durchgeführt. Mein Fazit damals: Fast perfekt, mit ein paar kleinen Krankheiten. In erster Linie störte mich, dass der Player USB-Dateien zwar super angezeigt hatte, im Netzwerk aber Schwächen aufwies. Keine Cover, lange Navigation. Sei’s drum, denn nun hatte ich für zwei Wochen den Nachfolger da: Western Digital TV Live. Gleicher Name, neues Modell. Fast so, wie bei The fast and the furious.

Optisch hat sich so einiges getan, das Dingen ist nicht viel größer als eine durschnittliche Handfläche. Macht optisch schon etwas her, auch wenn sich die Box durch das verarbeitete Plastik etwas minderwertig anfühlt, dafür wiegt es aber nahezu gar nichts. Und danke Western Digital: KEIN schwarzer Klavierlack. Yeah!

Vorne finden sich ein USB-Anschluss, sowie eine Blende, hinter der die Betriebs-LED samt Infrarotempfänger sitzen. An der Rückseite gibt es die üblichen Verdächtigen: Netzstecker, optisches Audio, Ethernet (nur 100 Mbps), HDMI, ein weiterer USB-Anschluss, sowie AV out.

Die Fernbedienung ist, verglichen mit dem Vorgängermodell, riesig und ebenfalls aus Kunststoff. Vorteil: wiegt nichts. Nachteil: das übliche – die Logitech Harmony 900 zum Beispiel wirkt da wesentlich wertiger. Aber auch hier kein Klavierlack sondern eine matt-schwarze Oberfläche mit netten Tasten. Und, das kann ich vorab sagen: Die Fernbedienung reagiert super, die Tasten haben einen netten Druckpunkt. Hier gibt es absolut nichts zu meckern.

Wer mag, der kann auch sein iOS-Gerät als Fernbedienung verwenden. Vorraussetzung: Beide Geräte müssen im gleichen Netzwerk sein, schon wird euer iPhone automatisch erkannt. Ich habe mich auf Anhieb in die App verliebt, auch aus dem Grunde, dass Dienste schnell erreichbar sind und man nicht mittels Links-Rechts-Oben-Unten auf einer Tastatur seine Texte eingeben muss.

Die Einrichtung

Nach dem ersten Start sucht der WD TV Live als erstes nach einem kabellosem Netzwerk. Leider unterstützt das Gerät nur das 2,4GHz-Netzwerk. In meinen Augen fast schon ein no-go. Mein gesamtes Multimedianetzwerk basiert auf das 5GHz-Netz – schnellerer Verbindung sei Dank. Mit dem WD TV live muss man jedoch mit einem 2,4GHz-Netz leben. Leider.

Dennoch geht die Einrichtung schnell und einfach von der Hand und kurz darauf erscheint der Startscreen. Ein einfacher Start benötigt in etwa 4 Sekunden, ein Kaltstart kann schonmal gut 30 Sekunden dauern.

Wer mag, der kann sein Gerät natürlich noch über diverse Einstellungen feineinstellen: Audio- & Video, Darstellung (es gibt auch mehr Themes und Hintergründe), Einstellungen für Videos, Musik und Fotos, alles ist vorhanden. Kleiner Clou: Die Betriebs-LED kann dauerhaft deaktiviert werden.

Die Oberfläche

Man kann es nicht anders sagen: Die UI des neuen Streamers sieht schick aus und macht einfach nur Laune. Der Startbildschirm bietet schnellen Zugriff auf Fotos, Musik, Videos, Dienste, Spiele, RSS-Feeds, Dateien und die Einstellungen. Schick, I like.

Dienste

Eine Menge Dienste sind bereits installiert: Spotify, Deezer, Facebook, YouTube, Flickr, um nur mal fünf der bekanntesten zu nennen. Zu meiner Überraschung ist sogar Facebook nutzbar, und Spotify der Burner schlecht hin. Perfekt integriert, man kann sogar weiter rumnavigieren, während weiter Musik abgespielt wird. Top.

Neben den oben genannten Diensten gibt es auch noch TuneIn, Vimeo, Watch Mojo, AccuWeather, Comedia Time, Daily Motion, Flingo, Flixster, Live.365, Mediafly, MLB.tv, Picasa, SHOUTcast Radio und SnagFilms. Ich habe jedoch nur die fünf erst genannten Dienste angetestet: Machen Laune, sind nutzbar. Definitiv.

Spiele

Die Spiele sind so eine Sache: Klaro, alles Casual-Games. Die Games kommen von FunSpot und PlayJam Games.

Insgesamt ein netter Zeitvertreib, kann man haben, muss man aber nicht.

RSS

Der eingebaute RSS-Reader ist schwach. Bei der Adresseingabe muss man darauf achten, auch wirklich den Direktlink zum Feed anzugeben, wer also nur die Hauptdomain eingibt, der wird enttäuscht. Der WD TV Live sucht nicht selbst nach eingebundenen Feeds. Hier wäre eine Google Reader Einbindung sicherlich sehr gut gelungen. Gibt es aber nicht, leider.

Auch die Darstellung des Contents ist – sorry – miserabel. Nur Text. Keine Formatierungen. Keine Videos. Keine Bilder. Unbrauchbar imho.

Fotos, Musik & Videos

Kommen wir nun einmal zu Fotos, Musik & Videos – denn die Art und Weise, wie Medien dargestellt werden, ist überall identisch. Ich könnte hier ja nochmal meine Hauptkritik am Vorgängermodell zitieren:

Wie man sieht: Dort werden nun die Filmdateien samt Cover angezeigt (so wie es sein sollte) und zusätzlich noch die Coverdatei. Für mich völlig unverständlich, zumal es per USB ja klappt. Leider ist es wohl eher ein Feature und kein Bug. ;) Und das sind die beiden Hauptgründe, wieso ich den Mediaplayer zurückgeschickt habe. Ich möchte einen Mediaplayer, der nach dem Start ohne große Navigationstouren auf meinen NAS gelangt und mir die Daten dort anständig anzeigt.

Und genau hier hat Western Digital nachgebessert. Aber ob ich es nun soo positiv finde? Nicht unbedingt. Erst einmal: Eure Medien können von lokalen Speicherträgern per USB, per Netzwerkfreigabe (Windows & Linux) oder per Medienserver kommen (Videos dazu auch noch von Facebook, Bilder von Flickr). Habt ihr in eurer Ansicht also zum Beispiel “Netzwerkfreigabe” zuletzt ausgewählt, so werdet ihr immer sofort auf euren NAS geschickt. Super.

Die Medienbibliothek ist eine Sammelstelle für Medien von allen Inhaltsquellen – jeder Ordner, der zur Medienbibliothek hinzugefügt worden ist, wird gescannt und ist dann dort verfügbar. Ein großer Vorteil für Leute, die sowohl Server, als auch USB nutzen. Doch auch Leute mit nur einer Inhaltsquelle haben einen Vorteil: Denn nur in der Medienbibliothek bietet der WD TV Live Filter an.

Fotos im Detail

Fangen wir einmal mit der Fotoansicht im Detail an. Hier muss ich sagen, bin ich ein wenig enttäuscht, da das Ganze ein wenig langsam ist – ganz im Gegenteil zu Musik und Videos. Es gibt unterschiedliche Ansichten, die schnell geswitcht werden können:

Die Ansicht funktioniert flüssig; brenzlich wird erst die Vollbildansicht eines einzelnen Bildes. Hier sind die Ladezeiten bei mir riesig:

Und wer mag, der kann seine Fotos auch direkt auf Facebook posten:

Musik im Detail

Eigentlich gibt es hier gar nicht mehr viel zu sagen, denn optisch ist sich alles sehr ähnlich. Trotzdem, hier auch nochmal ein paar Fotos der Musikoberfläche:

So viel gibt es hierzu auch gar nicht zu sagen. Playlisten gibt es ebenso. Läuft eben.

Videos im Detail

Für mich die “Königsdisziplin”, da Fotos und Musik für mich persönlich unwichtig ist. Auch hier gibt es nicht große Unterschiede zur Anzeige von Fotos und Musik:

Ich persönlich hätte mir eine Cover Wall gewünscht. Quasi eine Rasteransicht nur mit dem Filmcover. Aber gut… Wichtig ist hierbei noch zu erwähnen, dass der WD TV Live automatisch (wenn aktiviert) nach Informationen zu dem Film sucht – bei mir wurde alles gefunden; und wenn nicht, so wird nachgefragt. Klappt manuell auch ganz easy über das Optionsmenü des Filmes:

By the way: Von hier aus kann auch wieder Facebook betextet werden:

Die Video-UI

In meinem Test hat der WD TV Live wie auch sein Vorgänger alles gefressen, was man ihm zugeworfen hat. Sogar ein gut 9GB großes DVD-ISO wurde innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde von meinem NAS abgespielt – mein AppleTV mit dem Firecore Media Player braucht hier schonmal gut 20 Sekunden zum Vorpuffern. Der Nachteil: Verbindung weg oder schlecht, ist auch der Film weg. Dennoch ein großer Pluspunkt.

Die UI ist hingegen sehr simpel gehalten, was ganz nach meinem Geschmack ist. Kein Schnickschnack, nur das wichtigste:

Neben dem “normalen” Vor- und Zurückspulen kann man auch direkt zu einer bestimmten Zeitangabe springen:

Die Videoausgabe hat mich völlig überzeugt. Schnell, schicke UI, gute Video- und Audioqualität. Und dann auch mit jedem erdenklichen Format. Aber letzteres ist ja inzwischen fast schon bei jedem Streamer und Player Standard.

Das Dashboard

Im Startscreen gibt es übrigens noch ein kleines Feature, welches sicherlich viele Freunde finden wird: Das Dashboard. Hier gibt es favorisierte Apps und Medien, die zuletzt gefundenen Medien, die Warteschlange und die zuletzt angeschauten Medien.

Muss man nicht unbedingt haben, aber dennoch ein nettes Feature, welches ganz nebenbei bemerkt, auch noch weitere Filter unterstützt.

Fazit

Während mein Fazit für den alten WD TV Live HD nicht unbedingt so positiv ausfiel, ist es bei diesem Modell anders. Apps sind gut integriert und machen Spaß (vor allem Spotify), die Spiele sind ein nettes Feature, der RSS Reader ist Müll, aber ansonsten hat Western Digital fast alles richtig gemacht. Die UI ist schick und übersichtlich, Medien werden schnell abgespielt, es werden alle Quellen gut integriert. Das einzige, was ich sagen könnte, wäre, dass mir die einfache Cover Wall fehlt – aber damit könnte man sicherlich leben. War bisher der NeoTV 550 mein Favorit, so ist es nun dieser WD TV Live, welcher inzwischen für unter 90€ zu haben ist. Aber ich persönlich bleibe auch weiterhin beim AppleTV – Minimalismus ist eben meines und die Software passt 100% auf meine Vorstellungen und Wünsche. Mein WD TV Live fehlen da eine Hand voll Prozente.

Geschrieben von

Marcelismus. Hobby-Blogger aus dem Rheinland in den besten 20er Jahren. Appletisiert, aber immer mit einem gesunden Blick über den googlefizierten Tellerrand. Fetischist schicker User Interfaces und Fan von Dingen, die oftmals keinen Nutzen haben, die aber blau leuchten können.

  • chuckygoodguy

    Hallo Marcel,

    sehr netter Test. Ich habe allerdings eine Frage bezüglich der Medionbibliothek. Bei Anschluss eines Gerätes über USB erhalte ich bei den Filmen Cover sowie Inhaltsinformationen zum Film. Bei meiner Synology NAS funktioniert dies nicht, obwohl ich sie freigegeben habe. Hier erhalte ich zwar die Cover, habe jedoch keine Möglichkeit mir Infos zum Film anzeigen zu lassen.

    Gruß
    chuckygoodguy

  • http://www.blogtogo.de Marcel

    Soweit ich das richtig in Erinnerung habe, kannst du die Infos nicht abrufen, wenn du nur auf deinen NAS-Ordner zugreifst. Dazu musst du erst die entsprechenden Ordner in die Medienbibliothek des WD Live bringen und “verarbeiten” lassen…

  • blurtz

    hallo marcel,

    sehr schöner test. kurze frage, wird auf der app der bildschirminhalt dargestellt? interessiert mich für spotify. kann ich mittels der app lieder auswählen oder nur den dienst und zum auswählen der alben und lieder muß dazu der fernseher laufen?

  • http://www.blogtogo.de Marcel

    Hallo, nein – die App ist nur eine Fernbedienung. Nicht mehr, nicht weniger. Mehr als die im Artikel angezeigten Ansichten bietet die Fernbedienung nicht. -Marcel

  • blurtz

    ah, vielen dank für die schnelle antwort!